Juni 1999 

 

Mallorca - Insel mit vielen Gesichtern


Sich einen Flecken am Strand zu suchen für die ganze Zeit zwischen Ankunft und Abflug, ist die sicherste Weise, an der Eigenart Mallorcas vorüberzugehen. Wer sich aber aufmacht, sich von Lust und Neugier über das Land treiben läßt, dem kann es geschehen, daß ihm die Schönheit der Insel unerschöpflich erscheint.

Mallorca


Die vielen Gesichter Mallorcas werden natürlich von seinen Menschen getragen,

von dem Weltenbummler aus Santanyi, der für Fremde, die verfallene Fincas restaurieren, die kostbarsten alten Türen und Tore lagert; von dem jungen Fischer
in Port de Sóller, der in täglicher Geduld auf der Mole seine Netze flickt; von dem dicken, hinkenden Mann, der auf der Plaza Espanya für 100 Pesetas einen Parkplatz weiß; von der Losverkäuferin im Mercat Olivar, die schrille Monotonie ihrer Rufe ist aus der Musik des Marktes nicht wegzudenken, oder von dem Kochkünstler aus dem Norden, der aus der Fruchtbarkeit der Insel unermüdlich neue Gerichte zaubert an
einem Ort, an dem viele vor Reichtum gar nichts tun; und jeder, der Mallorca noch liebt, mag hier die Gesichter einsetzen, die für ihn Mallorca bedeuten. Zugleich zeigt das Eiland, was ohne die Menschen bleibt, die Windräder an der Straße nach Montuiri,
die Blüten der Mandeln im Februar, das verbrannte Land im August, die Olivenhaine
auf den Terrassen der Tramuntana, die unendlich schöne Bucht von Palma, die geschlossenen Läden vor den Fenstern in Felanitx.
Wir haben uns wieder einmal über Mallorca treiben lassen, und natürlich haben wir viel ans Essen und Trinken gedacht, aber auch an Künstler, die den Sinn der Insel mit Räumen erfassen, die sie gestalten, oder an Steine, in denen die Tiefe der Zeit verschlossen liegt. Jeder andere könnte viel Schönes von seinen Runden erzählen.




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