
Sich einen Flecken am Strand zu suchen
für die ganze Zeit zwischen Ankunft und Abflug, ist die sicherste Weise, an der Eigenart
Mallorcas vorüberzugehen. Wer sich aber aufmacht, sich von Lust und Neugier über das
Land treiben läßt, dem kann es geschehen, daß ihm die Schönheit der Insel
unerschöpflich erscheint.

Die vielen Gesichter Mallorcas werden natürlich von seinen Menschen getragen,
von dem Weltenbummler aus Santanyi, der für Fremde, die verfallene Fincas
restaurieren, die kostbarsten alten Türen und Tore lagert; von dem jungen Fischer
in Port de Sóller, der in täglicher Geduld auf der Mole seine Netze flickt; von
dem dicken, hinkenden Mann, der auf der Plaza Espanya für 100 Pesetas einen Parkplatz
weiß; von der Losverkäuferin im Mercat Olivar, die schrille Monotonie ihrer Rufe ist aus
der Musik des Marktes nicht wegzudenken, oder von dem Kochkünstler aus dem Norden, der aus
der Fruchtbarkeit der Insel unermüdlich neue Gerichte zaubert an
einem Ort, an dem viele vor Reichtum gar nichts tun; und jeder, der Mallorca noch
liebt, mag hier die Gesichter einsetzen, die für ihn Mallorca bedeuten. Zugleich zeigt
das Eiland, was ohne die Menschen bleibt, die Windräder an der Straße nach Montuiri,
die Blüten der Mandeln im Februar, das verbrannte Land im August, die Olivenhaine
auf den Terrassen der Tramuntana, die unendlich schöne Bucht von Palma, die
geschlossenen Läden vor den Fenstern in Felanitx.
Wir haben uns wieder einmal über Mallorca treiben lassen, und natürlich haben wir viel
ans Essen und Trinken gedacht, aber auch an Künstler, die den Sinn der Insel mit Räumen
erfassen, die sie gestalten, oder an Steine, in denen die Tiefe der Zeit verschlossen
liegt. Jeder andere könnte viel Schönes von seinen Runden erzählen.
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